Sommerhaus

Haus entschlacken

Sommerhaus

Die Arbeit an alten Gebäuden ist zuweilen recht kompliziert.

Vor allem, wenn sie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts einer Renovation, einer Sanierung, oder einer Modernisierung unterzogen wurden. Also ausser echten Baudenkmälern und vergessenen Ruinen eigentlich jedes Haus, das älter als ca. 70 Jahre ist…

Hier ist ein regelrechtes Pracht-Exemplar, ein Schmuckstück klassischer Baukultur:


 

Es steht nicht allzu weit oben in den Bergen, etwas abseits der grossen Ausflugs-Routen. Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts als Sommerhaus erbaut, klein, einfach, aber bürgerlich prächtig.

Das Erdgeschoss ist aus Bruchstein gemauert, rundum fein verputzt und mit Bossen-Stein-Stuck verziert. Der kleine Anbau rechts war früher eher eine Laube, mit einem einfachen, offenen Holzrost verkleidet, die Hausfassade ist darinnen ebenfalls perfekt verputzt und mit Bossen dekoriert. Die Fassade wird im Sockelbereich von massiven Marmor-Platten (schwarzer Marmor entlang den Mauern, roter Marmor an den Ecken und unter den Bossen) geschützt. Rückseitig wurde auf Stuckwerk verzichtet, die Bossen waren als Grisaille aufgemalt. Obergeschoss und Dachgeschoss sind mit einer Täferung verkleidet. Darunter verbirgt sich wahrscheinlich ein Blockbau. Balkonbrüstungen und Fensterrahmen sind mit einfachen Säge-Ornamenten dekoriert, ebenso ziert ein mehrschichtiges Ornament die Giebel- und Traufkante.

Weitere nennenswerte Details wären: Die Bleiglasfenster mit einfachem Ornament in Rot und Grün, die Eingangstüre mit neobarockem Schnitzwerk, der edle Kassetten-Parkett im Obergeschoss, die Deckenmalereien, sowie das kleine Turmzimmer, das vermutlich noch in der originalen Holz-Täfelung besteht (leider ohne Foto).

Wie sich schon bei den abblätternden Stellen zeigte, war das Haus in bester alter Manier recht farbig: Die Fassade in reinem Oxidrot, die Bossen Ocker oder Grau (beide Farben kamen zum Vorschein), und, vermutlich, grüne Läden. Die Balkon-Brüstung war sicher mehrfarbig, ebenso die Trauf- und Giebelkanten. Ich vermute, sie waren ebenfalls Rot (oder Umbra) und Ocker… Ob die Holzfassade gestrichen war, ist unklar.




 

Im Lauf der Jahrzehnte wurde mehrmals renoviert und teilweise umgebaut, und wie es eben so ist, wurden natürlich auch moderne Baustoffe eingesetzt: Zement und Plastik.

Das derzeit dominierende Problem ist die nasse Hausecke Süd-West: Der Putz (vielleicht sogar die gesamte Mauer) ist bis auf 2 m Höhe nass, die Feuchtigkeit ist bis in den Innenraum durchgedrungen. Da das Gebäude auf Fels steht, frage ich mich, ob die Regeln der Baukunst nicht alle angewendet wurden (ist ohne umfassende Untersuchungen nicht zu sagen—obwohl ich da meine Zweifel habe)… Fest steht jedoch, dass die Plastifizierung der Fassade und die vordergründige „Abdichtung“ des Sockelbereiches die Probleme eher verschärfte als löste: Der Putz ist an der Ecke morsch, weitere faule Stellen an diversen Stellen. Zum Glück im Unglück ist die Plastifizierung der Fassade ein kleines bisschen zu gutgläubig gehandhabt worden: Es wurde wohl auf eine „Tiefgrundierung“ (das Einlassen einer hochviskosen Oberflächen-Verklebung) verzichtet, und die nur an der Oberfläche klebende Dispersion flog mir in grossen Stücken um die Ohren. Leider nicht komplett, aber, immerhin, an den Vorderseiten in grossen Teilen.

Die oberen Etagen sind insofern viel problematischer: Das Holz ist mit einer Kunstharz-Farbe lackiert worden. Der Farbton ist verblichen und erinnert an alte Schokolade. Dieser Hausteil ist noch einigermassen gut in Schuss und wird leider nicht erneuert. Diverse Abplatzungen, wie sie mit Kunstharzlacken halt so entstehen, sind natürlich allgegenwärtig, aber eine Total-Sanierung ist sowohl für die Bauherrschaft wie auch für mich eine gfürchige Vorstellung.

Die andere Herausforderung ist der schwer verwitterte und verkalkte Marmor-Sockel. Dieser wird abgeschliffen und anschliessend imprägniert. Ich hätte den Marmor gern poliert und unbehandelt belassen, aber im Wetter ist das vergebliche Mühe, der Stein wäre innert kürzester Zeit wieder ausgeblichen. Daher die Imprägnierung (mit modernem Material, igittigitt!)

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