Blaue Stube mit Licht

Gute Stube: Renovation in alter Mühle mit Ölfarbe

Blaue Stube mit Licht

In einer alten Mühle dämmerte eine alte ganz in Holz gehaltene Stube im Dornröschenschlaf – ein vergessenes Schmuckstück…

Die Stube ist ein einziges Mal neu gestrichen worden, entsprechend sahen die Oberflächen recht verbraucht aus. Aber das war ein Glücksfall, die Sünden der jüngeren Vergangenheit („Hält-auf-allem-Farbe“, „Haus-Farbe“, Acryllacke, und so weiter) waren an diesen Räumlichkeiten vorbeigegangen. Was lag also näher, als die Tradition des Hauses aufrecht zu erhalten und näherungsweise den ursprünglichen Zustand rekonstruieren? Der Bauherr wollte genau das: Den Charakter, die Substanz, das Haus so wie es „immer schon war“ zu bewahren und so nichts wie möglich zu ersetzen.

Unter den Sockelleisten, hinter Lichtschaltern und an ähnlich versteckten Ecken, die damals nicht überstrichen wurden, war der ursprüngliche Farbton (in etwa ein Ultramaringrün) noch sichtbar.

Beim Rekonstruktionsversuch zeigte sich schnell, dass die damalige Farbenwelt nicht mehr in die Gegenwart passen wollte: Der Farbton war beängstigend farbintensiv und dunkel (der Original-Farbton kommt dem Ultramaringrün recht nahe). Den ganzen Raum derart farbig zu streichen war dann doch eine zu grosse Herausforderung, wir einigten uns auf eine abgeschwächte Farbgebung im Charakter der ursprünglichen Tonalität, ein gerade noch intensives Blau-Grün, welches je nach Licht auch schon mal in ein Hellgrau kippen kann.

Um den alten Charakter zu bewahren, wurden nur die Spuren von Gewalteinwirkung wie Schraubenlöcher, grobe Einschläge, Kratzer etc. repariert – die Spuren des Zahns der Zeit (Wurmlöcher, Alltags-Gebrauchsspuren usw.) durften bleiben. Aber es sind schliesslich genau diese Details, die einem Haus, (oder einem Raum) den Charakter, den Charme, die Ambiance verleihen.

Um nicht alles in eine monochrome Einfarbigkeit zu tauchen, wollte ich die Fenster zuerst dem Farbkonzept des Hauses unterwerfen und wie die restlichen Fenster in KT 32.143 Terre d’ombre Naturelle pâle (natürlich in Öl, von kt.COLOR) streichen, aber das war zu süss und passte ganz und gar nicht. Und weil dem Bauherrn die Abgegriffenheit so sehr gefiel, wurden die Innenfenster „nur“ freigelegt, grob gereinigt und lasierend behandelt. Aussenseite und Vorfenster sind wie vorgesehen in Ölfarbe gehalten. Was einen Innenraum in sanftes, warmes grau taucht, erscheint an der Aussenseite als warmes, sanftes Weiss. Eine Fortsetzung fand das Projekt in der Küche, sowie im Obergeschoss.

Eine andere Herausforderung waren die kaputten Scheiben: Konventionelles Float-Glas ist ja spiegelglatt und wirkt im Vergleich zum alten, leicht welligen Fensterglas (Ziehglas) ziemlich klinisch. Und weil altes Fensterglas kaum mehr verfügbar ist, wurden Ersatzscheiben aus einem Abbruchhaus in der Nähe beschafft. Das hiess dann in sorgfältiger Kleinarbeit alte Scheiben ausglasen, zuschneiden und wieder einglasen…

Maler / Gestalter HfG